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Weizenernte – Weizenpreis

Artikel vom  08.09.2020 14:36 Uhr von Stephanie Stöver-Cordes
Weizenfeld

Die Mengen der Weizenernte stehen fest, doch wie entwickeln sich die Preise?

Die Weizenernte ist vorüber und Mengen und Qualitäten wurden bereits erfasst und preislich bewertet. Wie das Bundesministerium in seinem Erntebericht meldete, belief sich die Winterweizen-Ernte auf 21,5 Mio. t und verfehlte damit das Vorjahresergebnis um 5,7% sowie den 6-jährigen Durchschnitt um 10,7%. Ausschlaggebend für die geringere Erntemenge in diesem Jahr waren erneut die zum Teil extremen Witterungsbedingungen, aber auch  - gerade beim Weizen - ein deutlicher Rückgang der Anbaufläche. Der Flächenrückgang beim Winterweizen wurde vom Bundesministerium im Bundesdurchschnitt auf -9,7% beziffert. Nach Ländern ergab sich ein deutliches Minus von 19,7% für Schleswig-Holstein und von 18% für Niedersachsen.

Großhandelspreise haben sich stabilisiert, Börse zeigt ebenfalls eine feste Tendenz

Die Großhandelspreise haben sich zuletzt etwas stabilisieren können. Am Standort Hamburg wurde im September für B-Weizen ein Großhandelspreis von 185 EUR/t aufgerufen, A-Weizen für 191 EUR/t und Futterweizen für 184 EUR/t. Die Tendenz für die späteren Termine zum Jahresende ist momentan leicht positiv. Für Futterweizen am Standort Südoldenburg werden derzeit 191 EUR/t bezahlt. Daraus abgeleitet berichten Marktbeobachter im Norden von aktuellen Erzeugerpreisen in einer Spanne von 166-174 EUR/t für B-Weizen. Die Prämie für A-Qualitäten liegen lediglich 3-4 EUR/t darüber.

Im Vergleich dazu präsentierte sich die Börse ebenfalls auf einem festen Niveau. Der Dezember-Kontrakt arbeitete sich die letzten 4 Wochen stetig nach oben und erreichte mittlerweile 188,50 EUR/t. Damit folgte er der guten Stimmung an der US-Börse. Sturmschäden in einigen US-Anbaugebieten und Trockenheit könnten die US-Maisernte deutlich verringern. Das sorgte für Auftrieb, ebenso wie die stetige Nachfrage Chinas.

Vorhersagen sind schwierig

Doch wie werden sich die Preise in den kommenden Tagen und Monaten entwickeln? Vorhersagen sind nur schwer zu tätigen, denn zu viele Faktoren wirken auf die Preise ein. Aber man kann für einen kurzfristigen Ausblick auf die Chartanalyse schauen. Der Durchbruch des Börsenkurses über den Widerstand bei 187 EUR/t sowie das Überwinden der gleitenden Durchschnitte stimmt zunächst optimistisch. Selbst Korrekturen nach dem Anstieg der vergangenen Tage könnten von der Unterstützung bei 184 EUR/t aufgehalten werden. Aus fundamentaler Sicht hält die stabile Tendenz ebenfalls an, denn es wird mit nachlassendem Exporttempo Russlands zum Jahresende gerechnet, sodass dann vermehrt die europäische Ware zum Zuge kommen würde. Hier bestehen aufgrund der geringen französischen Ernte durchaus auch Chancen für den deutschen Weizen.

Als Unsicherheitsfaktor bleiben jedoch die Ernteerwartungen weiterer wichtiger Exportländer wie Australien und Argentinien und natürlich bleibt immer noch die Sorge vor einer Ausbreitung der ASP, die die Hoffnung auf steigende Preise schnell zerschlagen könnte.

Fazit

Als Fazit bleibt zu ziehen, dass ein Warten auf steigende Preise ohne Preisabsicherung immer eine Spekulation mit physischer Ware bedeutet, die auch zu Verlusten führen kann. Bei der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt der Vermarktung bleibt also abzuwägen, ob kurzfristige Liquidität benötigt wird und ob die Risikobereitschaft besteht, auch eventuelle Preiseinbrüche hinzunehmen. Ansonsten stehen die Strategien wie Preisabsicherung über Future und Optionen sowie Vor- bzw. Prämienkontrakte zur Auswahl und letztendlich ist immer eine gewisse Risikostreuung anzuraten, um einen guten Durchschnittspreis zu erlangen.

Für weitere Auskünfte rund um den Markt und Vermarktung rufen Sie uns gerne an!

Quelle: Kassapreise.de, eigene Ermittlung, BMEL, alle Angaben ohne Gewähr!

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