Rohmilch-Kontrakt - Interview top agrar

Pressemeldung vom 20.12.2017 12:00 Uhr von Stephanie Stöver-Cordes
Milch

Die Börse European Energy Exchange (EEX) aus Leipzig will im ersten Halbjahr den Handel mit Rohmilch anbieten. Wie soll das genau aussehen?

Aktuell ist Milchpreisabsicherung über Magermilchpulver- und Butter-Kontrakte möglich. Aus den Kursen errechnet sich ein Börsenmilchwert, der den möglichen Absicherungspreis zeigt. Diese Umrechnung ist für viele Erzeuger umständlich. Der Flüssigmilchkontrakt basiert direkt auf Rohmilch. Das verbessert die Vergleichbarkeit. Zudem ist bei Magermilchpulver und Butter eine Mindestmenge von 100.000 kg erforderlich. Der Flüssigmilchkontrakt umfasst dagegen nur 25.000 kg Milch. So können ihn auch Erzeuger mit durchschnittlicher Betriebsgröße nutzen.

Eine Klippe könnte ein einheitlicher Deutschland-Milchpreis sein. Wie will die EEX das lösen?

Es gibt in Deutschland keine einheitliche Milchpreis-Notierung. Das wurde auch stets als Argument genannt, auf die lagerfähigen Produkte Magermilchpulver und Butter auszuweichen. Hierfür gibt es amtliche Notierungen z.B. in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, die für die bisherigen Berechnungen des Index herangezogen werden.  Dieser Index gilt demnach als Marktpreis des Referenz-Produktes im europäischen Wirtschaftsraum. Futures-Positionen, die nach dem letzten Handelstag noch offen sind, werden gegen den jeweiligen Index abgerechnet. Der Flüssigmilch-Index wird derzeit von der EEX entwickelt.

Welche Chancen bietet der Flüssigmilch-Future?

Die Preisabsicherung über die Warenterminbörse funktioniert dadurch, dass sich Kassapreis-Verluste durch Börsen-Gewinne ausgleichen und umgekehrt. Dafür ist es nötig, dass sich die Preisbildung an der Börse sowie am Kassamarkt auf ein vergleichbares Produkt bezieht. Bisher wurden Erzeugerpreise für Rohmilch über Magermilchpulver und Butter abgesichert. Und auch das funktioniert. Mit dem Flüssigmilchkontrakt wird die Schwankung der Basis jedoch kleiner und planbarer, da sich Börsenkurs und Erzeugerpreis des Produktes Milch noch homogener entwickeln.

Welche Gefahren lauern?

Die wichtigste Aufgabe der Börse ist nun die Entwicklung eines aussagekräftigen Index, der als Referenzpreis zum Kassamarkt Bestand hat und zu dem die offenen Positionen nach dem letzten Handelstag abgerechnet werden. Dieser muss transparent und zuverlässig zur Verfügung stehen und die zugrundeliegenden Preise müssen möglichst von neutraler Seite ermittelt werden. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass der Kontrakt nicht vom Markt angenommen wird, denn das Börsengeschäft und damit auch die Preisabsicherung leben von liquiden Märkten. Der Handel mit Magermilchpulver- und Butter-Kontrakten ist in den vergangenen Monaten stetig gewachsen. Nun ist es fraglich, ob auch der neue Kontrakt von den Marktteilnehmern akzeptiert und genutzt wird.

Landwirte und Molkereien könne Rohmilch anbieten. Aber gibt es auch genügend Interessenten, die auf der anderen Seite gegenzeichnen?

Als Käufer könnten z.B. Molkereien auftreten, deren Verwertung nicht auf Magermilchpulver Butter ausgerichtet ist und die am Markt weiteren Rohstoff einkaufen müssen. Aber auch Milchhändler und –verarbeiter sind als Marktteilnehmer auf der Käufer-Seite denkbar und wünschenswert.

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