DRV hebt Prognosen für Weizen, Gerste und Raps leicht an
Der Deutsche Raiffeisenverband sieht trotz der aktuellen geopolitischen Spannungen im Nahen Osten derzeit nach wie vor keine Versorgungsengpässe bei Düngemitteln in Deutschland.
„Kalium-, Phosphat- und Stickstoffdünger stehen der Landwirtschaft in ausreichendem Umfang zur Verfügung“, erklärt Dr. Michael Reininger, Düngemittelexperte des DRV. Allerdings sei insbesondere Stickstoffdünger aufgrund seiner energieintensiven Herstellung von steigenden Energiepreisen betroffen. „Die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger sind seit dem Ausbruch des Irankriegs um bis zu 40 Prozent gestiegen“, erklärt Reininger. Seine Sorge: „Hohe Düngerpreise während der Einlagerungsperiode ab dem Sommer können dazu führen, dass im kommenden Frühjahr nicht genügend Dünger verfügbar wäre. Das hätte unmittelbar niedrigere Erträge und schlechtere Qualitäten zur Folge. Insbesondere beim Weizen können geringere Eiweißgehalte die Backqualität beeinträchtigen.“
Für das laufende Jahr rechnet der DRV jedoch nicht mit signifikanten Einschränkungen bei der Düngung. Reininger erklärt dies wie folgt: „Die meisten Betriebe haben sich bereits vor Kriegsbeginn mit den benötigten Düngemitteln eingedeckt beziehungsweise ihren Bedarf über Vorverträge kontrahiert, sodass sich die aktuellen Preissteigerungen nur auf notwendige Nachkäufe auswirken.“
Der DRV hält in seiner zweiten Ernteschätzung an seiner Einschätzung einer leicht überdurchschnittlichen Ernte im Jahr 2026 fest. Aktuell rechnet der Verband mit einer Getreideernte von rund 43,9 Millionen Tonnen. „Bei einem geschätzten Inlandsverbrauch von rund 40 Millionen Tonnen ist die Versorgung mit Getreide in Deutschland damit rechnerisch gesichert“, betont DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler.
Die deutsche Weizenernte aller Sorten wird 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf rund 22,38 Millionen Tonnen zurückgehen, teilte der Deutsche Raubbauverband (DRV) am Mittwoch in seiner zweiten Ernteschätzung mit. Gegenüber dem März-Bericht wurde die Prognose um 100.000 Tonnen angehoben. Aktuell rechnet der Verband mit einer Produktion von Wintergerste von 9,471 Millionen Tonnen, gegenüber 9,515 Millionen Tonnen vor einem Jahr und 9,453 Millionen Tonnen im ersten Erntebericht im März.
Der DRV prognostiziert, dass die deutsche Ernte von Winterraps im Jahresvergleich um 4,5 Prozent auf 4,154 Millionen Tonnen steigen wird. Im Vergleich dazu lag die erste Ernteprognose des Verbandes im März bei 4,122 Millionen Tonnen Raps.
Die Bestände hätten sich in den vergangenen Wochen insgesamt positiv entwickelt. In den meisten Regionen sei ausreichend Niederschlag gefallen, auch wenn der Nordosten etwas hinter den Erwartungen zurückbleibe. Die Wasserversorgung sei jedoch weiterhin insgesamt ausreichend.
Die Aussaat von Sommergetreide sei – mit Ausnahme von Mais – weitgehend abgeschlossen. „Ob die prognostizierten Mengen tatsächlich geerntet werden können, hängt maßgeblich von der Witterung in den kommenden Wochen sowie von einer ausreichenden Düngung ab“, so Seedler.
Die aktuellen politischen Entscheidungen über Entlastungen bei den Energiepreisen bewertet Seedler mit Blick auf die deutsche Getreidewirtschaft verhalten: „Es ist richtig und wichtig, dass die Bundesregierung jetzt schnell Maßnahmen zur Kostensenkung beschließt. Die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel ist ein erster richtiger Schritt, der insbesondere bei Maschineneinsätzen sowie Transport und Logistik für eine Entlastung sorgt. Doch das reicht auf lange Sicht nicht aus.“ Aus Sicht des Verbands fehle bislang ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Entlastung von Wirtschaftsunternehmen. „Für die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist entscheidend, dass die Energiekosten generell gesenkt werden – und zwar am besten dort, wo sie entstehen. Deshalb müssen auch die Stromsteuer sowie der CO₂-Preis reduziert werden“, fordert Seedler.