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Ölsaaten: Kann Raps von der festen Bohne profitieren?

Artikel vom  16.01.2023 14:29 Uhr von Steffen Bach

Am Sojamarkt richtet sich die Aufmerksamkeit derzeit auf Südamerika. In Brasilien wächst eine Rekordernte heran. Die Ernteprognosen privater Analysten und staatlicher Institutionen liegen zwischen 152 und 153 Mio. t, das wären rund 22 Mio. t mehr als im Vorjahr.  Ganz anders ist die Lage in Argentinien. Das Land leidet das dritte Jahr in Folge unter dem La-Nina-Effekt, der in den wichtigsten Anbaugebieten für Trockenheit sorgt.

Bei der Frage, wie sich der fehlende Regen auf die Ernte 2023 auswirken wird, liegen die Meinungen der Analysten im Moment weit auseinander. Das USDA hatte seine Prognose im Januar-Wasde um 4 Mio. t auf 45,5 Mio. t gesenkt. Experten in Argentinien sind deutlich pessimistischer. Die Börse in Rosario kürzte ihre Prognose in der vergangenen Woche drastisch um 12 Mio. t auf 37 Mio. t, das wäre ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie in der Saison 2017/18. Alle Prognosen sind mit einer großen Unsicherheit behaftet, denn die Aussaat der Bohnen ist noch nicht abgeschlossen. Das Zeitfenster schließt sich bis Ende Januar und die Zweifel wachsen, dass die Arbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden. Bis zum 11. Januar waren nach Berechnungen der Getreidebörse in Buenos Aires erst 89 Prozent der Flächen bestellt. Ob auch auf den noch fehlenden knapp 1,5 Mio. ha Sojabohnen angebaut werden können, hängt davon ab, ob es in den kommenden Tagen regnet.

Die Wettervorhersagen sind vorsichtig optimistisch. Zumindest werden einige Gewitter erwartet. Ergiebige Regenfälle sind aber nicht in Sicht. Der Zustand der bereits gepflanzten Sojabohnen hat sich in der vergangenen Woche weiter verschlechtert. Der Anteil der guten Flächen halbierte sich binnen einer Woche auf 4 % (Vorjahr: 33 %). Bei den schlechten Flächen gab es einen Zuwachs um 18 Prozent auf 56 % (Vorjahr: 29 Prozent). Sollte es weiter trocken bleiben, könnte die Produktion in diesem Jahr auf 35,5 Mio. t sinken, warnt die Börse in der argentinischen Hauptstadt. Falls sich die Lage durch ausreichende Niederschläge bessern sollte, seien 41 Mio. t möglich.

Im vergangenen Jahr produzierten Brasilien, Argentinien und Paraguay zusammen 177,6 Mio. t Sojabohnen. Bei einer brasilianischen Ernte von rund 150 Mio. t, einer argentinischen Ernte von 35 bis 40 Mio. t und einer Sojaproduktion Paraguays von 5 bis 10 Mio. t würde diese Menge auf jeden Fall übertroffen werden und etwa wieder das Niveau von 2020/21 erreichen. Auf den Weltmarkt wirkt sich die geringere Produktion in Argentinien dennoch aus. Ein Großteil der Bohnen wird im Land verarbeitet, was Argentinien zum größten Sojaschrot- und Sojaölexporteur der Welt macht. Erwartet wird, dass die brasilianischen Ölmühlen ihre Verarbeitung steigern und die fehlenden Schrot- und Ölmengen am Weltmarkt zum Teil ausgleichen könnten. Dennoch wird das Angebot an Pflanzenöl und Eiweißfutter auf dem Weltmarkt wohl geringer ausfallen.

In Chicago sorgten die negativen Meldungen aus Argentinien bei den Soja-Futures für steigende Kurse. Die Bohne profitierte dabei auch vom festeren Maismarkt, denn auch die Aussichten für die argentinische Maisernte sind wegen der Dürre schlecht. Am europäischen Rapsmarkt ging es trotz der steigenden Soja-Notierungen in den USA in der vergangenen Woche weiter nach unten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die große australische Ernte drückt auf den Weltmarkt. Das USDA hob am vergangenen Donnerstag die Exportprognose um 200.000 t auf 5,4 Mio. t an. Auch die Ukraine soll nach Ansicht der Washingtoner Analysten in diesem Wirtschaftsjahr 250.000 t mehr liefern. Gegenüber der Dezemberschätzung wächst die Menge auf 3,05 Mio. t. Grund sei, dass die ukrainischen Ölmühlen wegen des Krieges weniger Rapssaat verarbeiten. Für die EU wurde die Importprognose dagegen um 300.000 t auf 5,6 Mio. t angehoben. Bis zur neuen Ernte wird der europäische Rapsmarkt also gut versorgt bleiben, was wenig Spielraum für steigende Preise lässt. Impulse könnten bestenfalls aus dem Pflanzenölmarkt kommen. Die indonesische Regierung hat beschlossen, die Biodieselbeimischung ab dem 1. Februar von 30 auf 35 Prozent anzuheben. Dadurch wird das Land rund 1,8 Mio. t weniger Palmöl exportieren können, das entspricht etwa 3,5 Prozent der weltweit gehandelten Menge. Das geringere Angebot trifft auf eine steigende Nachfrage in China und Indien und könnte für steigende Weltmarktpreise für Palmöl sorgen. Wie weit davon Rapsöl profitieren kann, bleibt abzuwarten.

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